Richard J. Gügel: Ein Engagement, das Seinesgleichen sucht

Richard J. Gügel vor "seiner" Tischtennisabteilung. Foto: Julian Hörndlein

Richard J. Gügel: Ein Engagement, das Seinesgleichen sucht

An den 6. Oktober 1968 kann sich Richard J. Gügel noch gut erinnern: Das Sportheim der SpVgg/DJK Heroldsbach/Thurn war frisch eingeweiht worden, als Gügel zusammen mit zwölf weiteren Sportfreunden die Tischtennisabteilung gründete. Für ihn war das damals schon konsequent: Seit den 1950er-Jahren hatte er – Jahrgang 1939 – zum Schläger gegriffen. Erst im Saal des „Grünen Baum“, dann auf der Kegelbahn im Gasthaus „Zur Post“, im „Tivoli“ beim „Thurner Wirt“ und schließlich im Gasthaus „Zur frohen Einkehr“ beim Erles Sepp. Dem neuen Sportheim stiftete er seinen privaten Tischtennistisch, eine von vielen Investitionen in „seine“ Abteilung. Bereits im November 1969 holte Gügel seinen Freund, den Vizeweltmeister und polnischen Nationaltrainer Alex Ehrlich zu einem Tischtennislehrgang in die Schulturnhalle. Aufgrund seiner Beziehungen konnte der Heroldsbacher Tischtennis-Boss 1990 den zehnfachen Weltmeister Guo Yuehua und den sechsfachen Weltmeister Liang Geliang aus China zu einem Showkampf der Weltmeisterkönige nach Heroldsbach in die Hirtenbachhalle holen.

Richard in den Anfangsjahren mit der ersten Herrenmannschaft.

Die Tischtennisler in Heroldsbach wurden durch Gügels
unermüdliches Werben immer zahlreicher, die Abteilung zog vom Sportheim in die
Schulturnhalle. In der Saison 1977/78 war Heroldsbach mit 21 Mannschaften
(sechs Herren-, fünf Damen-, sechs Mädchen- und fünf Jugendmannschaften) die
größte Abteilung in Oberfranken. Gügel war vier Tage pro Woche im Einsatz,
trainierte alle Damen- und Herren-, Mädchen- und Jugendmannschaften. Gügel war
immer dabei, die Menschen für den Tischtennissport zu begeistern: „In den
Anfangsjahren habe ich die Landkreis-Jugendmeisterschaften für Hobbyspieler ins
Leben gerufen“, erinnert er sich. Zwischen 100 und 150 Jugendliche seien damals
aus dem ganzen Landkreis nach Heroldsbach gekommen. Später wurde das
Hobbyturnier auch noch auf Herren- und Damenklassen ausgeweitet.

1977/78 war Heroldsbach die größte Tischtennisabteilung Oberfrankens.

Durch Initiative von Gügel fand 15 Jahre in Folge (2003 bis 2018) der Bayerische Sparkassenpokal für Schülerinnen und Schüler in der Hirtenbachhalle statt. Hier spielten die Auswahlmannschaften aller bayerischen Bezirke sowie als Gäste Mannschaften aus Brandenburg und Ostthüringen.

Nur Abteilungsleiter zu sein, war Gügel allerdings nicht
genug: Im Jahr 1974 legte er die Prüfung zum Schiedsrichter ab, stieg später
zum Verbandsschiedsrichter auf. Es folgten unzählige Einsätze bei Welt- und
Europameisterschaften, lokalen Turnieren und Bundesligaspielen, darunter
natürlich bei der SpVgg-DJK Effeltrich und dem TTC Wohlbach in der dritten
Bundesliga und dem TV Hilpoltstein in der zweiten Bundesliga. Lachend erinnert
er sich daran, als die chinesische Tischtennis-Legende Zhang Jike ihn bei der
Weltmeisterschaft 2012 von seiner Currywurst abbeißen ließ.

Als Funktionär des Bayerischen Tischtennis-Verbandes war er außerdem aktiv. Von 1969 bis 1974 war er Kreisspielleiter im Kreis Erlangen, zu dem Tischtennis-Heroldsbach damals noch gehörte. Er war maßgebliche Kraft bei der Gründung des Kreises Forchheim im Jahr 1974, dessen Vorsitzender er bis 1997 blieb, nachdem er 1996 zum Ersten Bürgermeister in Heroldsbach gewählt worden war. Damit nicht genug: Seit 1991 ist er im Verbandsgericht des Bayerischen Tischtennis-Verbandes aktiv, von 2015 bis 2018 war er Vorsitzender des Bezirkssportgerichts Oberfranken. „Richard J. Gügel ist ein Vorbild für alle die, die ehrenamtlich tätig sind“, sagte BTTV-Präsident Konrad Grillmeyer deshalb auf der 50-jährigen Jubiläumsfeier im Jahr 2018 zu seinem langjährigen Wegbegleiter. Jetzt ist es für Gügel nach 52 Jahren an der Zeit, das Zepter weiterzugeben. „Ich bin mir sicher, dass die Abteilung bei meinem Team in den besten Händen ist“, sagt der 81-Jährige, der aktuell der dienstälteste Leiter einer Tischtennisabteilung in Deutschland ist. Seiner Abteilung steht er auf Wunsch natürlich weiterhin mit Rat und Tat zur Seite. Gügels großes Steckenpferd war die Jugendarbeit: „Die Jugend lag mir seit Beginn immer sehr am Herzen“, sagt er. Auch die Integration war ihm immer wichtig:  Im Oktober 2015 veranstalte er das deutschlandweit erste Asylbewerber-Tischtennisturnier, an dem 20 Personen aus sieben Nationen teilnahmen.

2015 veranstalte die Abteilung das erste Asylbewerber-Turnier Deutschlands.

Dem Bayerischen Tischtennisverband bleibt Gügel ebenfalls durch seine Aufgaben als Verbandsschiedsrichter und im Verbandsgericht weiterhin treu. Seiner Frau Gisela dankt er besonders für die Unterstützung in all den Jahren. „Tischtennis hat mir in den 52 Jahren sehr viel gegeben. Ich möchte keine Sekunde davon missen“, meint er abschließend und zitiert als Musiker das Lied „Schön war die Zeit“ in F-Dur.

Text: Julian Hörndlein